Warum mehr Content nicht mehr Sichtbarkeit bringt
Künstliche Intelligenz hat die Content-Erstellung grundlegend verändert. Texte, die früher Tage oder Wochen an Recherche, Konzeption und Redaktion benötigt haben, lassen sich heute per Mausklick generieren. Das eröffnet Unternehmen neue Möglichkeiten. Nahe liegt da die Versuchung: Wenn Content so einfach produziert werden kann, warum nicht einfach möglichst viel davon veröffentlichen? Wer für SEO und die Auffindbarkeit in KI-Suchsystemen aber die einfache Gleichung aufmacht „mehr Content gleich mehr Sichtbarkeit“, verkennt die Bedeutung einer sorgsamen Selektion zielgruppenrelevanter Inhalte aus der unüberschaubaren KI-Content-Flut, ihre redaktionelle Aufbereitung und die passgenaue Veröffentlichung auf Kanälen, welche die Zielgruppen auch tatsächlich erreichen.
Die Menge ist kein Qualitätsmerkmal
Suchmaschinen und KI-Systeme müssen aus einer enormen Menge an Informationen diejenigen Inhalte auswählen, die für eine konkrete Anfrage relevant sind. Entscheidend ist dabei nicht allein, ob eine Website zu einem bestimmten Thema einen Beitrag veröffentlicht hat. Entscheidend ist, welchen Informationswert dieser Beitrag bietet. Guter Content beantwortet dabei eine konkrete Frage, erfüllt eine bestimmte Suchintention und liefert Informationen, die für die Zielgruppe tatsächlich relevant sind. Redaktionell aufbereiteter Content erklärt ein komplexes Thema verständlich und will damit eine kompakte Entscheidungshilfe für ein konkretes Anliegen geben. Dazu können Anwendungsfälle beschrieben, Erfahrungen aus der Praxis eingeordnet, Vor- und Nachteile gegenübergestellt oder eine fachliche Perspektive geliefert werden. Ein Text, der lediglich bereits vorhandene Informationen neu formuliert, schafft dagegen nicht automatisch einen zusätzlichen Mehrwert.Fachliche Tiefe zielgruppenorientiert vermitteln
Besonders deutlich wird das bei Unternehmen mit umfangreichem Fachwissen und erklärungsbedürftigen Produkten: Interne Unterlagen, technische Dokumentationen, Produktbeschreibungen oder Schulungsunterlagen enthalten wertvolle Informationen. Sie richten sich jedoch häufig an eine Zielgruppe, die bereits über entsprechendes Vorwissen verfügt. Website-Content hat dagegen oft eine andere Aufgabe. Ein potenzieller Kunde möchte zunächst kompakt und verständlich wissen: Was ist die Lösung? Für welches Problem ist sie relevant? Wie wird sie eingesetzt? Und welchen Nutzen bietet sie? Ein hochspezialisierter KI-Text kann fachlich vollkommen korrekt sein und trotzdem an diesen Informationsbedürfnissen vorbeigehen. Fachliche Tiefe ist deshalb nicht das Problem: Es mangelt dann an fehlender Zielgruppenorientierung.Die Risiken von Content im großen Maßstab
Mit KI lässt sich Content heute nahezu beliebig skalieren. Das wissen zunehmend auch die Kunden. Dabei greift die Annahme, dass Menschen künftig kaum noch Unternehmenswebsites besuchen werden, zu kurz. Die erste Recherche erfolgt zwar zunehmend über eine KI. Die Website bleibt jedoch ein wichtiger Ort für die Verifizierung und Entscheidungsfindung. Wer über Google oder eine KI auf eine Unternehmenswebsite aufmerksam wird, möchte übersichtlich und kompakt wissen:
- Wer steckt dahinter?
- Welche Expertise besitzt das Unternehmen?
- Welche Lösungen werden angeboten?
- Gibt es Referenzen?
- Welche Erfahrungen gibt es?
- Passt das Angebot zum eigenen Bedarf?
Eine Website hat damit zwei Aufgaben: Sie muss gefunden werden und sie muss die Zielgruppen überzeugen.
Die Risiken von Content in großem Maßstab:
Redundanz statt Informationsgewinn: Viele Beiträge können unterschiedliche Überschriften haben und trotzdem inhaltlich weitgehend dasselbe sagen. Das führt zu einer Website mit viel Text, aber wenig zusätzlicher Information.
Content-Kannibalisierung: Wer zahlreiche sehr ähnliche Beiträge zu verwandten Suchbegriffen veröffentlicht, kann die eigene Website mit sich selbst konkurrieren lassen. Statt eine starke, relevante Seite zu einem Thema aufzubauen, entstehen viele Varianten, die um ähnliche Suchintentionen konkurrieren.
Scaled Content ohne Mehrwert: Google unterscheidet nicht, ob ein Text von einem Menschen oder einer KI geschrieben wurde. Problematisch ist vielmehr massenhaft erzeugter Content, der in erster Linie dazu dient, Suchergebnisse zu beeinflussen, ohne einen entsprechenden Nutzen für Leser anzubieten.
Reichweite optimieren, statt zu manipulieren
Mit ChatGPT und anderen KI-basierten Suchsystemen verändert sich die Suche. Das führt zu einer neuen Frage: Wie muss Content gestaltet sein, damit er nicht nur von den relevanten Zielgruppen bei Google gefunden, sondern auch als Quelle für KI-generierte Antworten berücksichtigt wird? Masse ist weder für Google noch für KI-Systeme das entscheidende Selektionskriterium: Eigene Erfahrungen, konkrete Anwendungsfälle, eine fachliche Einordnung, belastbare Daten und nachvollziehbare Aussagen kompakt strukturiert und zielgruppengerecht aufbereitet können wesentlich wertvoller sein als zahlreiche austauschbare Texte mit großer fachlicher Tiefe. Dabei sollte man nicht dem Irrtum erliegen, es gebe eine einfache „GEO-Formel“ (GEO: Generative Engine Optimization), mit der sich eine Erwähnung in ChatGPT oder anderen KI-Systemen garantieren lässt.
Auffindbarkeit lässt sich optimieren, aber nicht erzwingen.
Wissen als Wettbewerbsfaktor schützen
Ein weiterer Aspekt wird bei der automatisierten Content-Produktion leicht übersehen: Know-how-Schutz. Unternehmen mit erklärungsbedürftigen Produkten verfügen häufig über Wissen, das einen Wettbewerbsvorteil darstellt. Wird dieses Wissen in viele öffentlich zugängliche Beiträge überführt, kann die Summe der Informationen deutlich mehr verraten als beabsichtigt. Deshalb sollte vor der Veröffentlichung nicht nur gefragt werden, ob diese Information interessant für die Zielgruppe ist. Eine zentrale Frage, die firmenspezifisches Wissen schützt, sollte immer mitgedacht werden: Muss diese Information wirklich öffentlich zugänglich sein?
Gerade bei technischen und erklärungsbedürftigen Produkten kann die Grenze zwischen hilfreicher Information und schützenswertem Know-how schnell erreicht sein.
Was guter KI-gestützter Content braucht
KI kann die Content-Produktion erheblich beschleunigen. Das ist eine Chance, die Unternehmen nutzen sollten. Die redaktionelle Aufgabe verschiebt sich dadurch: Es geht nicht mehr um möglichst viele Texte. Die eigentliche Frage muss lauten: Welche Inhalte sind für unsere Zielgruppen wirklich relevant und welchen Mehrwert können wir ihnen bieten?
Vor der Veröffentlichung eines KI-gestützten Beitrags sollten deshalb mindestens die folgenden Fragen im Rahmen einer sorgfältigen redaktionellen Überarbeitung beantwortet werden:
- 1. Welche konkrete Suchintention erfüllt der Inhalt?
- 2. Für wen ist er geschrieben?
- 3. Ist er verständlich und fachlich korrekt?
- 4. Enthält er einen eigenständigen Informationswert?
- 5. Unterscheidet er sich substanziell von bereits vorhandenen Inhalten?
- 6. Gibt er möglicherweise schützenswertes Know-how preis?
- 7. Stärkt er die Positionierung und Glaubwürdigkeit des Unternehmens?
Von Content-Masse zu Content-Strategie: KI als Werkzeug
KI macht die Content-Produktion skalierbar. Das ist eine enorme Chance. Aber genau deshalb werden redaktionelle Auswahl und Qualitätssicherung wichtiger. Unternehmen sollten KI deshalb nicht als Maschine zur Produktion möglichst vieler Texte verstehen, sondern als Werkzeug, mit dem sich hochwertige Inhalte effizienter entwickeln lassen. Denn am Ende zählt nicht, wie viele Texte veröffentlicht wurden.
Was zählt ist, wie viele Blog-Beiträge es wert waren, gelesen, gefunden, zitiert und weiterempfohlen zu werden: Das ist der Unterschied zwischen Content-Masse und Content-Strategie.
Damit entstehen zugleich neue Anforderungen an die Content-Redaktion. Denn je mehr Inhalte mithilfe von KI produziert werden können, desto wichtiger wird die Fähigkeit, Informationen zu bewerten, zu gewichten und konsequent aus Sicht der jeweiligen Zielgruppe auszuwählen. KI kann eine enorme Menge an Input liefern, sie entscheidet jedoch nicht automatisch, welche Informationen für potenzielle Kunden wirklich relevant sind, welche Zusammenhänge erklärt werden müssen und welche Inhalte besser nicht veröffentlicht werden sollten.
