Messe ade – Digital juchhe

Abgesagte Messen führen zu innovativen Online-Marketing-Ideen der Aussteller

Für Messebetreiber, Aussteller und Besucher ist die kurzfristige Absage einer Messe eine wirtschaftliche, emotionale und motivationale Katastrophe: Die Vorbereitungen sind weit fortgeschritten und hohe Beträge in den Messestand, Give-aways und geplante Live-Veranstaltungen geflossen. Zudem waren enorme personelle Ressourcen bereits Monate im Voraus stark gebunden. Derzeit jagt infolge der Corona-Pandemie eine Messeabsage der nächsten. Und während dies viele Subunternehmer existenzkritisch trifft, setzen Aussteller inzwischen auf kreative und innovative digitale Formen der Produktpräsentation.

Buchmesse: Virtuelles Programm vieler Verlage unter #leidernichtleipzig

Während der abgesagten Leipziger Buchmesse in der kommenden Woche (12. bis 15. März 2020) werden viele Verlage unter Hashtags wie #leidernichtleipzig, #lbmonline2020 oder #buecherhamstern auf Social Media Plattformen wie Instagram oder Facebook Gewinnspiele und Aktionen anbieten. Zudem wird es Live-Stream-Events und Online-Lesungen geben. Auf diese Weise wird die Messe virtuell als Online-Event trotz Absage erlebbar.

Virtuelle ITB: Gratis E-Magazin

Die ITB, die gerade in Berlin stattfinden sollte, veröffentlicht trotz Absage ihre tägliche Messezeitung online. So werden Neuheiten der Aussteller trotzdem kommuniziert. Außerdem hat der Messebetreiber Aussteller, die wegen gebuchter Hotels trotzdem nach Berlin kommen, dazu aufgerufen, Fotos von ihrer „Messe“ zu teilen. Außerdem hat die ITB jüngst die digitale Plattworm itb.com gelauncht, über die sich die Reisebranche ganzjährig vernetzen kann. Vom 5. bis zum 11. März 2020 wird es hier einen virtuellen ITB-Kongress mit mehr als 20 Live-Streams und Videos on-demand geben.

Genfer Autosalon: Online-Live-Events mit hoher Reichweite

Auch der Genfer Autosalon hätte in diesen Tagen stattfinden sollen. Statt Live-Vorstellung von neuen Modellen präsentieren viele Autobauer ihre Neuheiten nun online in Bildergalerien, Online-Live-Events oder virtuellen Pressekonferenzen. So hat Autobauer Daimler jüngst via LinkedIn zur Live-Premiere der neuen E-Klasse im Rahmen einer Live-Pressekonferenz geladen. Unter Verwendung des Hashtags #gims2020 präsentieren die Hersteller die neuen Wagen über Social Media Kanäle. Die Reichweite dieser Online-Live-Events dürfte sogar bedeutend höher sein, als die analoge Präsentation auf der Messe. Außerdem bieten die Organisatoren über die Website des Genfer Autosalons Live-Übertragungen der Pressekonferenzen und Präsentationen der von den Herstellern an verschiedenen Orten organisierten Weltpremieren, die anschließend auch als Video-on-Demand zur Verfügung stehen.

Pandemie-Gewinner: Anbieter von virtuellen Messen

Jüngst wurde bekannt gegeben, dass auch die LogiMAT abgesagt und die Hannovermesse verschoben werden. Auch zahlreiche IT-Unternehmen haben bereits angekündigt, Kunden in den nächsten Wochen über Online-Events informieren zu wollen, wenn analoge Veranstaltungen mit zu hohen behördlichen Auflagen versehen werden und das Gesundheitsrisiko nicht kalkulierbar ist. Einer der Gewinner der zahlreichen Absagen sind Anbieter von virtuellen Messen. Besucher einer solchen virtuellen Messe können den Events online und mobil sowie zeitlich flexibel beiwohnen. Sie können virtuelle Vorträge hören und Videos anschauen oder Informationsmaterial herunterladen. Zudem gibt es die Möglichkeit, über Pop-up-Fenster mit Ausstellern in Kontakt zu treten. Virtuelle Messen bieten interessante Möglichkeiten der Event-Visualisierung. So ist es beispielsweise möglich, virtuell einen Messestand einzurichten, auf dem Präsentationen und Vorträge vor dem Hintergrund eines real erscheinenden Messestands stattfinden können. Ausstellern wird es auf diese Weise möglich, Konferenzsäle und Empfänge auch online individuell zu gestalten. Über Webinare und Webkonferenzen können sie außerdem mit Interessenten in Kontakt treten, Vorträge halten und Produkte präsentieren. Der Austausch ist währenddessen, davor oder danach über Chatfunktionen möglich. Ein Vorteil gegenüber der analogen Messe zeigt sich in der intuitiven Erfolgskontrolle, die Online-Marketing-Maßnahmen erlauben. Für Unternehmen stellt diese Art der Messe eine kostengünstige Alternative ohne Reisezeit und -kosten dar. Sie können auch virtuell mit dem Zielpublikum in Kontakt treten und Geschäfte anbahnen.

Die Zukunft der Messe wird digitaler

Natürlich ersetzen all diese Maßnahmen nicht den persönlichen Kontakt auf der Messe. Die verlorenen Umsätze lassen sich durch virtuelle Instrumente nicht in gleichem Maße wieder einholen. Nichtsdestotrotz dürften die Absagen für gerade die Unternehmen, die Online-Marketing bisher noch vor sich hergeschoben haben, einen guten Anlass bieten, sich mit den Möglichkeiten von Social Media, Content-Marketing, virtuellen Präsentationen und Live-Streaming auseinander zu setzen. So kann die Wirtschaft der Pandemie vielleicht auch etwas Gutes abgewinnen: In Zukunft werden Messeauftritte und Online-Präsentationen noch besser kombiniert eingesetzt werden – für einen wirkungsvolleren Messeauftritt der Aussteller und einen erhöhten Erlebnisfaktor für die Standbesucher.